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„Morgen ist da“

Reginas Gäste: Lesung und Gespräch mit Navid Kermani

14.07.2020
Reginas Gäste - Navid Kermani (c) Julian Baumann

„Die höchste Kunst der öffentlichen Rede wäre es, im Namen von vielen zu sprechen, aber so, wie es nur ein einzelner Mensch sagen kann, literarisch zu sein und zugleich repräsentativ“, schreibt der Orientalist und Schriftsteller Navid Kermani im Vorwort zu seinem neuen Buch „Morgen ist da.“ Für die nächste Folge der Veranstaltungsreihe Reginas Gäste am Donnerstag, 10. September, 20 Uhr, hat die Journalistin und Moderatorin Regina Heidecke, mit ihm einen herausragenden Intellektuellen in die Neue Stadthalle Langen eingeladen. Nach einer Lesung des Schriftstellers, aus seinem aktuellen Buch mit den wichtigsten Reden der vergangenen 20 Jahre, geht es im Gespräch um die Kunst, in den Köpfen der Zuhörer etwas auszulösen, was mehr ist als das bloß Gehörte.

Navid Kermani versetzte das Publikum mit seinen zahlreichen Reden wie der im Bundestag zum Grundgesetz oder der Dankesrede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels immer wieder ins Staunen, regte Debatten an, rührte zu Tränen, klärte auf, verstörte. Kein Thema ist ihm zu brisant, keine Herausforderung zu groß; er spannt mit seinen Themenfeldern von klassischer deutscher Literatur, islamischer Mystik, amerikanischer Gegenkultur und europäischem Geist immer neue Gedankenbögen. Mit originellen Ansätzen schafft er klare Gedanken in einer immer komplizierteren Welt und sorgt als einer der einflussreichsten Denker Deutschlands dafür, dass Reden gehalten werden, in denen etwas gesagt wird. In „Morgen ist da“ gibt er Antworten darauf, wie man sich angemessen für einen Preis bedankt, der einem zunächst aberkannt worden ist, wie man Amerika kurz nach der Wahl Donald Trumps seine Liebe erklärt, was ein Deutscher mit iranischen Wurzeln über Auschwitz sagt und welche Worte am Grab des eigenen Vaters bleiben.

Immer wieder setzt er sich für Literatur, Sprache und aktuelle Themen ein, ist seit 2006 Gastgeber des Literarischen Salons im Kölner Stadtgarten und mitverantwortlich für das „Herzzentrum“ am Thalia-Theater in Hamburg. Dort begibt sich nahezu das gesamte Ensemble des Hauses mit Kermanis Texten und Gedanken an ungewöhnliche Orte wie zu einem Riesenrad, einer Moschee, einer Flüchtlingsunterkunft oder einem Kaufhaus auf der Reeperbahn und ermöglicht so eine einzigartige Begegnung zwischen Zuschauern, Schauspielern, dem Autor und den literarischen Werken.

So wie Kermani als Journalist „Entlang den Gräben“ aktueller Krisenherde gereist ist, um mit eigenen Augen zu erfahren wie „auch heute Geschichte gemacht wird“, so nähert er sich all seinen Themen und durchdringt sie ganz persönlich. Regina Heidecke, die dreizehn Jahre lang Redakteurin des wohl wichtigsten deutschsprachigen Kulturmagazins KULTURZEIT auf 3sat war, hat Navid Kermani oft als Gast der Sendung eingeladen und freut sich ganz besonders, dass sie ihn zu ihrer nächsten Veranstaltung hat gewinnen können.

Karten für das Event im September gibt es vorab an den bekannten Vorverkaufsstellen für 17,50 Euro, online über die Webseite www.neue-stadthalle.de, telefonisch unter 203-434 sowie an der Abendkasse. Aus Sicherheitsgründen ist die Zahl der Tickets stark beschränkt. Beim Kauf müssen die Besucher auch verpflichtend Angaben zu ihrer Person machen. Während der Veranstaltung gelten darüber hinaus die üblichen Hygienevorschriften. Da diese Auflagen ständig vom Gesetzgeber der aktuellen Situation angepasst werden, empfehlen die Organisatoren allen vorab einen Blick auf die Internetseite der Neuen Stadthalle zu werfen, wo es dazu die neusten Informationen gibt.

Regina Heidecke hat in Frankfurt Soziologie, Germanistik und Philosophie studiert und war seit 1978 Redakteurin der Kulturredaktion beim Hessischen Rundfunk, von 2001 bis 2014 Schlussredakteurin der Sendung Kulturzeit bei 3sat. Als Filmemacherin realisierte sie für den Hessischen Rundfunk, arte und 3sat Feature und Porträts in den Bereichen Theater und Tanz/Ballett, aber auch Magazinbeiträge zu gesellschaftlichen und politischen Themen, sowie Reisefilme. Daneben war sie viele Jahre als Ballettkritikerin für HR2 tätig.

Als Redakteurin bei Kulturzeit hat sie sich vermehrt den Themen Politik, Bildung, kritischer Journalismus und Fragestellungen zum Islam und dem Nahen Osten zugewendet. Ganz besonders am Herzen lag ihr die Ausbildung und Betreuung von jungen Journalistinnen und Journalisten sowie Filmemacherinnen und Filmemachern aus Ländern wie dem Irak, Tunesien, Pakistan, Afghanistan in Kooperation mit ifa (Institut für Auslandsbeziehungen). In Workshops hat sie mit dem Goethe Institut in Syrien, mit dem IWPR (Institute for War and Peace Reporting) im Nordirak und mit dem SES (Senior Expert Service) in Indonesien zusammengearbeitet.

Seit 2015 ist Regina Heidecke freie Journalistin und widmet sich auch verschiedenen Projekten in der Flüchtlingshilfe. Seit 2015 ist sie Sprecherin der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe Langen.

Navid Kermani (1967 in Siegen geboren) lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und des 1. FC Köln. Seit 2006 ist er zusammen mit Guy Helminger Gastgeber des Literarischen Salons im Kölner Stadtgarten und seit 2012 mit Carl Hegemann Leiter des „Herzzentrums“ am Thalia-Theater in Hamburg. Als habilitierter Orientalist lehrt er als Gastprofessor an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Unter anderem war er Long Term Fellow am Berliner Wissenschaftskolleg, Stipendiat der Villa Massimo in Rom, Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen, Gastprofessor in Frankfurt sowie am Dartmouth College in den Vereinigten Staaten und hielt etliche Poetik Vorlesungen, so in Frankfurt, Göttingen und Mainz.

Für seine Romane, Essays, Reportagen, Monographien erhielt Navid Kermani unter anderem den Kleist-Preis, den Joseph Breitbach-Preis und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Er sucht sich immer wieder Widersprüche, Spannungen oder gegensätzliche Bereiche, behandelt in seinen Reden und Texten Grundfragen und Grenzerfahrungen der menschlichen Existenz wie Liebe und Sexualität, Verzückung und Tod, geht aber auch dem Koran, islamischer Mystik, dem Verhältnis zwischen Glauben und Gesellschaft und den Beziehungen des Westens zu den Ländern im Nahen Osten auf den Grund. Als Reporter stattet er zudem Bericht aus Kriegs- und Krisengebieten.

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