Schon 1962 verschwistert sich Romorantin-Lanthenay mit der englischen Stadt Long Eaton bei Nottingham.1968 wird die Verschwisterung mit Langen offiziell und seit dieser Zeit verbinden lebhafte Kontakte auf vielen Ebenen beide Städte und ihre Bürger miteinander. Die Drei-Städte-Treffen Romorantin - Long Eaton - Langen vertiefen diese Beziehungen, machen Schüleraustausche möglich und öffnen Franzosen, Engländern und Deutschen neue Wege des gegenseitigen Verstehens. Alle drei miteinander verschwisterten Städte profitieren davon. 2008 wurde Langen "Taufpatin" einer weiteren europäischen Verschwisterung: Langens jüngste Partnerstadt Aranda de Duero in Spanien und Romorantin-Lanthenay haben sich kennen und lieben gelernt und diese Zuneigung ebenfalls mit einem Partnerschaftsvertrag bekräftigt.
Die Stadt Romorantin-Lanthenay vergisst nicht ihre historische Vergangenheit, sie geht aber auch mit der Zeit. Das 20. Jahrhundert ist das Zeitalter der Geschwindigkeit. Das Vorhandensein eines städtischen Rennautomuseums in der Hauptstadt der Sologne lässt sich schon alleine dadurch rechtfertigen, dass früher eine Autofabrik den wichtigsten Industriezweig darstellte.
Dieses Museum zeugt auch davon, dass 25 der ausgestellten Autos zu jenen gehörten, die Frankreichs Rückkehr auf die Rennstrecken der ganzen Welt bewirkte und für Frankreich unvergessliche Siege errungen.
Die im Jahr 1989 erbaute Pyramide "Espace Francois 1er", Symbol der Erhebung, ist Ausdruck des modernen Romorantins geworden, ist sie doch der ideale Ort des Treffens, der Initiative, der Fantasie und der Kultur. Von Wasser umgeben, vergleichbar den weitläufigen Seen der Sologne finden in der Pyramide heute diverse Veranstaltungen wie Gastspiele, Feste, Ausstellungen, Konferenzen, Kongresse und vieles mehr statt.
Romorantin bietet zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten. So liegen die wunderschönen Königsschlösser an der Loire, wie beispielsweise Cheverny, Chambord, Blois, Amboise (um nur eine kleine Auswahl zu nennen) in unmittelbarer Nähe.
Zur Geschichte:
Glaubt man den alten Sagen, dann wurde Romorantin von einem Urenkel Noahs etwa 350 Jahre nach der Sintflut gegründet und besiedelt. Eine andere Legende weiß zu berichten, dass das vorher kleine gallische Dorf unter Caesar während des gallorömischen Krieges zu einem Versorgungsstützpunkt für die römischen Legionen ausgebaut worden ist. Sicher ist auf jeden Fall, dass dank günstiger geologischer Verhältnisse schon sehr früh in den weiten Sümpfen der Sologne auf einem einzelnen Kalkfelsen inmitten des Mündungsgebietes des Rantin in die Sauldre ein Siedlungsplatz entstand, der möglicherweise schon in der Steinzeit genutzt wurde.
Im frühen Mittelalter taucht der Name Rege Morantino und etwas später Romorantin bereits als Lehen der Grafen von Blois auf; ebenso bekannt sind Ritter aus Romorantin im Gefolge der Grafen bei Kreuzzügen. Die erste schriftliche Erwähnung datiert 1178 in einer Bulle des Papstes Alexander III., der einen lange schwelenden Streit um territoriale Ansprüche der Grafen von Blois und der Mönche von Cosme-lez-Tours schlichtete. 1196 sichert Louis I. den Bürgern von Romorantin schriftlich Steuererleichterungen zu. Durch Erbschaft wechselt die Herrschaft in der Folge öfters.
Im 13. Jahrhundert gedeihen Romorantin und die umliegende Sologne dank zahlreicher Handelsbeziehungen bis weit in den Orient als Folge der Kreuzzüge. Die jährliche Messe von Plisson ist damals ein bedeutendes Ereignis. Sie wird noch heute als Jahrmarkt mit Viehmarkt veranstaltet.
1337 beginnt der Hundertjährige Krieg, mit dem die englische Krone Gebietsansprüche in Frankreich durchsetzen wollte. Auch Romorantin wird von den Kriegsereignissen nicht verschont. Im September 1356 belagert der legendäre "Schwarze Prinz" die Stadt mit 15.000 Mann, erobert und plündert sie. Zum Ende des Jahrhunderts werden die Befestigungen wiederaufgebaut. Am 06. Juni 1429 kommt die Jungfrau von Orléans, Jeanne d´Arc, auf ihrem Weg von Orléans nach Loches durch Romorantin.
Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut Jean d´Angouleme anstelle eines alten Herrensitzes ein neues, komfortables Schloss am rechten Ufer der Sauldre, von dem noch heute Teile stehen und bewohnt sind (Sitz der Sous-Préfecture). Die jeweiligen Herren von Romorantin halten sich hier gerne auf, von wo aus sie und ihre - oftmals auch königlichen Gäste - in den umliegenden Wäldern jagen.
Im frühen 16. Jahrhundert beginnt Romorantins Blütezeit. 1499 wird im Schloss an der Sauldre Claude de France geboren, die 1514 dort Francois d`Angouleme, den späteren König Franz I. von Frankreich, heiratet. Nun ist die kleine Stadt an der Sauldre, die - wenn man den zeitgenössischen Quellen glauben darf - 1520 zwölftausend Einwohner zählt, Mittelpunkt des Königreiches, hier residiert der Hof. Die Stadtbefestigungen wird erweitert, in der Stadt selbst entstehen überall neue Häuser und über die Sauldre wird eine Steinbrücke gebaut.
Ende 1520 residiert wieder einmal der Hof in Romorantin. Hier ereignet sich am 06. Januar 1521 (dem Dreikönigstag) jene folgenschwere Schneeballschlacht, bei der König Franz I. von einer brennenden Fackel am Kinn getroffen und schwer verletzt wird. Um die dadurch entstandene Narbe zu verdecken, sieht man ihn auf allen späteren Bildern mit einem Vollbart. 1524 stirbt Königin Claude, erst 24 Jahre alt, aber schon Mutter von 7 Kindern.
Danach werden die Besuche des Königs in Romorantin seltener. Feldzüge, Reisen, ein Jahr Gefangenschaft in Padua, der König ist immer unterwegs. Auch das Renaissance-Schloss, dass Leonardo da Vinci für ihn in Romorantin erbauen soll, ist über die Planung nicht hinausgekommen. Nach seinem Tode im Jahre 1547 sind für die lebhafte Stadt an der Sologne die schönsten und stolzesten Jahre vorbei!
Zwar kommen sein Sohn und Nachfolger Henri II. sowie die späteren Könige immer wieder in die Sologne und nach Romorantin, aber schon zeichnet sich im Land die Glaubenskriege ab, von denen auch Romorantin nicht verschont bleibt. Dem wortgewandten und toleranten Michel de Hospital gelingt es, die Unterzeichnung des "Edikts von Romorantin" zustande zu bringen, das verhindert, dass sich die Inquisition in Frankreich etabliert. Trotzdem arten die Glaubensstreitigkeiten zum Bürgerkrieg aus, in dessen Verlauf Romorantin dreimal genommen und geplündert wird. Von einem Erdbeben und heftigen Orkanen heimgesucht dezimiert noch eine große Pestepidemie die Einwohner der Stadt zum Ende des 16. Jahrhunderts.
Durch immer neue Steuern völlig verarmt, versuchen die verzweifelten Bürger und Bauern mit einer Revolte auf ihre aussichtslose Lage aufmerksam zu machen. Es kommt zur sogenannten "Fronde des Sabotiers", dem Krieg der Holzschuhe, der aber blutig niedergeschlagen wird. Erst zum Ende des 17. Jahrhunderts, schon unter der Regierung Ludwigs XIV., erholt sich die Stadt ein wenig, der Handel mit Wolle floriert wieder, die Webereien produzieren Tuche und es kommt wieder Geld in die Stadt.
Der Widerruf des Edikts von Nantes 1685 bedeutet allerdings einen neuen Rückschlag für Romorantin. Zahlreiche protestantische Handwerker, vor allem Wolleverarbeiter, verlassen die Stadt und gehen nach Elbeuf bei Rouen. Der Ausgleich dieses Verlustes an Fachkräften dauert eine ganze Generation. Erst dann kehrt wieder ein gewisser Wohlstand nach Romorantin zurück.
Am Vorabend der Revolution herrscht wieder einmal Not, Hunger und Armut in der Sologne und seiner Hauptstadt Romorantin. Die Zahl der Einwohner ist auf 5635 zurückgegangen. Dann kommen die Schrecken der Revolution, Beschlagnahme von Eigentum, Denunziation, Deportation, Hinrichtungen, eine grundlegende Veränderung des gesamten städtischen Lebens.
Die napoleonische Zeit hinterlässt indes kaum Spuren in Romorantin. Nach dieser Zeit raffen sich die Romorantiner wieder auf und beginnen von vorne. 1804 gibt es schon wieder 105 Tuchweber, 1810 bereits 125, die in Heimarbeit und Teilzeitarbeit insgesamt 3200 Personen beschäftigen. Überhaupt ergibt sich in den Revolutionsjahren ein grundlegender Wandel in den Vermögensverhältnissen. Mit der Wiederkehr eines bescheidenen Wohlstandes verändert sich auch das Gesicht der Stadt. Neue Straßen und Verbindungswege werden geschaffen. Romorantin ist in der Folge Garnisonsstadt für ein Bataillon der Nationalgarde. 1860 hat Romorantin 7862 Einwohner, Lanthenay 2094. Das Durchschnittsalter in dieser Zeit beträgt 33 Jahre, es gibt eine hohe Kindersterblichkeit und in der Umgebung grassiert alljährlich das Sumpffieber.
Dann kommt der Krieg 1870/71. Zunächst operieren in der Sologne 60.000 französische Soldaten, um Orléans zu entsetzen; durch den Vormarsch der deutschen Truppen kommt es nördlich von Romorantin zu Rückzugsgefechten mit den Franzosen. Am 10. Dezember 1887 rücken die Preußen in Romorantin ein. Nach dem Waffenstillstand befindet sich Romorantin zwar in der entmilitarisierten Zone, muss aber trotzdem noch Kontributionen bezahlen, etwa 160.000 Francs für den Canton.
Nur langsam erholen sich Stadt und Umgebung von den Kriegsschäden. In der Sologne werden weite Teile aufgeforstet, vor allem mit verschiedenen Nadelhölzern; man züchtet neue widerstandsfähigere Schafsrassen, die einen besseren Ertrag an Wolle versprechen. Als neue Kulturpflanze wird der Spargel eingeführt und bald auf weiten Feldern angebaut. Er ist noch heute eine Spezialität der Region.
Der erste Weltkrieg indes hinterlässt dann Spuren in Romorantin. Die folgende Zeit der zwanziger und dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bringt keinen nennenswerten Aufschwung. Im zweiten Weltkrieg liegt Romorantin wieder einmal hinter der Demarkationslinie, die vom Cher gebildet wird. Die deutsche Wehrmacht hat die Stadt besetzt, während draußen in der Sologne die Resistance aktiv ist.
Nach dem Krieg regt sich dann wieder neues Leben in der alten Stadt. Zahlreiche Franzosen aus der Pariser Region haben sich während des Krieges hierher in die Sologne geflüchtet. Viele blieben da und setzten eine zukunftsorientierte Aktivität in Gang.
In mühevollen Verhandlungen kann die Zusammenlegung von Romorantin und Lanthenay erreicht werden. Die Stadt wandelt sich im Lauf der Jahre von einem verschlafenen Provinzstädtchen in eine aktive Mittelstadt die zur zweitgrößten Stadt des Departements noch vor Vendome aufsteigt. Zahlreiche Industriebetriebe siedeln sich an, Schulen und Sportstätten werden gebaut, das Centre Hospitalier entsteht ebenso wie neue soziale Einrichtungen. Eine neue Brücke über die Sauldre für den Schwerverkehr entlastet die Innenstadt, das Flussbett der Sauldre wird reguliert, so dass die jährlichen Überschwemmungen eingedämmt werden.